Wie lange dürfen Ärztinnen und Ärzte praktizieren?

In Deutschland ist der Ärztemangel, insbesondere in ländlichen Regionen, ein wachsendes Problem. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand wächst stetig und hat inzwischen (im Jahr 2023) die Marke von über 100.000 überschritten, was einem Anstieg von 4,1 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen, da aktuell bereits rund 97.000 berufstätige Ärzte (etwa 23 %) 60 Jahre oder älter sind. Viele ältere Ärztinnen und Ärzte möchten in den Ruhestand gehen, finden jedoch keine Nachfolger für ihre Praxis. Doch wie lange darf ein Arzt praktizieren? Gibt es eine Altersgrenze für praktizierende Ärzte?

Altersgrenze für die Ärztin und den Arzt- seit 2007 keine Altersgrenze mehr

Früher galten in Deutschland strenge Altersgrenzen für Vertragsärzt:innen: ab 55 Jahren war eine Zulassung zur vertragsärztlichen Tätigkeit eingeschränkt, und mit 68 Jahren endete diese automatisch. Diese Regelungen zielten auf die Kontrolle der Arztzahlen und Kostendämpfung ab. Ausnahmen bestanden in unterversorgten Gebieten, wo diese Altersgrenzen gelockert wurden. Seit 2007 wurden diese Altersgrenzen in unterversorgten Gebieten vollständig aufgehoben, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Berufsausübung als Privatärztin/ Privatarzt war hingegen nie altersbeschränkt.

Vorteile der Abschaffung der Altersgrenze für Ärztinnen und Ärzte:

 

  1. Erhalt von Erfahrung: Ältere Ärzte können ihre umfangreiche Erfahrung weiterhin einbringen, was besonders in komplexen Fällen wertvoll ist.  
  2. Bekämpfung des Ärztemangels: In ländlichen und unterversorgten Gebieten können erfahrene Ärzte weiterhin zur Verfügung stehen, was die medizinische Versorgung verbessert.
  3. Flexibilität für Ärzte: Ärzte können selbst entscheiden, wann sie in den Ruhestand gehen möchten, was zu höherer Zufriedenheit und Motivation führt.
  4. Förderung intergenerationaler Zusammenarbeit: Ältere und jüngere Ärzte können voneinander lernen, was die Qualität der Versorgung steigert.

 

Wann endet die Kassenzulassung?

In Deutschland endet die Kassenzulassung eines Arztes nur unter bestimmten Bedingungen:

  1. Nichtaufnahme der Tätigkeit: Wenn ein Arzt seine Tätigkeit in einem gesperrten Planungsbereich nicht innerhalb von drei Monaten nach Zulassungsbeschluss beginnt.
  2. Verzicht auf die Zulassung: Die Zulassung endet am Ende des folgenden Kalendervierteljahres nach Abgabe der Verzichtserklärung.
  3. Wegzug aus dem Zulassungsbezirk.
  4. Verletzung vertragsärztlicher Pflichten: Bei groben Verstößen wie z.B. Straftaten.
  5. Tod des Arztes: Die Zulassung erlischt automatisch, kann aber temporär weitergeführt werden.

Quelle:

·       Deutscher Bundestag: Höchstaltersgrenzen für die Berufsausübung von Vertragsärzten und ermächtigten Ärzten  : (abgerufen am 20.08.2024 unter https://www.bundestag.de/resource/blob/412156/fa990258f40541efd7cee18959a1fd2d/WF-IX-158-06-pdf-data.pdf)

·       Bundesärztekammer: Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31.12.2023: (abgerufen am 21.08.2024 unter https://www.bundesaerztekammer.de/baek/ueber-uns/aerztestatistik/2023)

·       Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):Gesundheitsdaten (aufgerufen am 21.08.2024 unter https://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16397.php)

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